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DIGITALER PRODUKTPASS: WER IST BETROFFEN UND WELCHE PFLICHTEN GELTEN?
Von NETFORMIC
| 12.08.2026
Der Digitale Produktpass (DPP) wird in den kommenden Jahren für immer mehr Unternehmen relevant – doch nicht alle sind gleichzeitig betroffen. Je nach Produktgruppe, Marktrolle und EU-Regulierung ergeben sich unterschiedliche Pflichten für Hersteller, Händler und Importeure. In diesem Artikel erfährst du, wer sich jetzt mit dem DPP beschäftigen sollte und welche konkreten Anforderungen auf Unternehmen zukommen.
PFLICHTEN, ZEITPLAN UND BETROFFENE UNTERNEHMEN
DER DIGITALE PRODUKTPASS (DPP) IM ÜBERBLICK
Der Digitale Produktpass (DPP) verändert, wie Unternehmen Produktinformationen erfassen, verwalten und entlang des gesamten Produktlebenszyklus bereitstellen. Mit der EU-Ecodesign-Verordnung ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) wurde dafür der rechtliche Rahmen geschaffen.
Doch für viele Unternehmen stellen sich zunächst ganz praktische Fragen: Wer ist vom Digitalen Produktpass betroffen? Welche Pflichten haben Hersteller, Händler und Importeure? Und wann wird der DPP verpflichtend?
Wichtig dabei: Es gibt nicht den einen Stichtag, ab dem jedes Produkt einen Digitalen Produktpass benötigt. Die konkreten Anforderungen werden schrittweise und abhängig von Produktgruppe und geltender EU-Regulierung eingeführt.
In diesem Beitrag erfährst du, welche Unternehmen sich mit dem DPP beschäftigen sollten und welche Rolle Hersteller, Händler, Importeure und weitere Wirtschaftsakteure dabei spielen.
WAS IST DER DIGITALE PRODUKTPASS (DPP)?
Der Digitale Produktpass ist ein digitaler Datensatz, der relevante Informationen zu einem Produkt über dessen Lebenszyklus zugänglich macht.
Je nach Produktgruppe können dazu beispielsweise Informationen über Materialien, Herkunft, technische Eigenschaften, Reparatur, Nachhaltigkeit oder Recycling gehören.
Der DPP soll Produktinformationen strukturiert und digital für unterschiedliche Akteure verfügbar machen – darunter Kunden, Hersteller, Händler, Reparaturbetriebe, Recyclingunternehmen sowie Marktüberwachungs- und Zollbehörden.
Welche Daten tatsächlich verpflichtend sind und wie sie bereitgestellt werden müssen, wird für die jeweiligen Produktgruppen konkretisiert.
Du möchtest den Digitalen Produktpass nicht nur regulatorisch verstehen, sondern erfahren, wie Unternehmen ihn technisch umsetzen und strategisch nutzen können? Erfahre mehr über unsere Lösungen rund um den Digitalen Produktpass.
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WER IST VOM DIGITALEN PRODUKTPASS BETROFFEN?
Der DPP ist nicht ausschließlich ein Thema für Hersteller. Die EU berücksichtigt verschiedene Wirtschaftsakteure entlang der Wertschöpfungskette.
Dazu können insbesondere gehören:
- HerstellerImporteure
- Bevollmächtigte
- Distributoren
- Händler
- Fulfillment-Dienstleister
Welche konkreten Pflichten ein Unternehmen treffen, hängt unter anderem von seiner Marktrolle, der Produktgruppe und den jeweils geltenden Rechtsvorschriften ab.
Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage:
„Benötigt unser Produkt einen DPP?“
Unternehmen sollten zusätzlich klären:
„Welche Rolle haben wir beim Inverkehrbringen dieses Produkts in der EU?“
WELCHE PFLICHTEN HABEN HERSTELLER BEIM DDP?
Hersteller nehmen beim DPP eine zentrale Rolle ein – insbesondere dann, wenn sie ein betroffenes Produkt auf dem EU-Markt in Verkehr bringen. Zu den relevanten Aufgaben können je nach produktspezifischer Regulierung gehören:
- erforderliche Produktdaten erfassen und bereitstellen
- Vollständigkeit und Qualität der Daten sicherstellen
- Informationen während des relevanten Produktlebenszyklus aktuell halten
- vorgeschriebene Daten zugänglich machen
- den erforderlichen Datenträger am Produkt, an der Verpackung oder in begleitenden Unterlagen bereitstellen
- technische und regulatorische Anforderungen an den DPP berücksichtigen
Damit wird der DPP schnell zu einer Daten- und Integrationsaufgabe.
Produktinformationen liegen in vielen Unternehmen heute verteilt in PIM, ERP, DAM, E-Commerce-Systemen, Lieferantenportalen oder Excel-Dateien. Für eine skalierbare DPP-Umsetzung müssen diese Daten identifiziert, strukturiert und zuverlässig zusammengeführt werden.
WELCHE PFLICHTEN HABEN HÄNDLER & ONLINEHÄNDLER?
Auch für Händler und E-Commerce-Unternehmen wird der Digitale Produktpass relevant. Die ESPR sieht unter anderem vor, dass Kunden Zugang zu bestimmten DPP-Informationen erhalten. Die konkrete Ausgestaltung wird durch die jeweils anwendbaren Regelungen für die Produktgruppe bestimmt.
Für Händler bedeutet das: Sie müssen frühzeitig prüfen, welche Anforderungen für die von ihnen angebotenen Produkte gelten und wie der DPP in bestehende Verkaufsprozesse integriert werden kann.
Im E-Commerce stellt sich beispielsweise die Frage:
Wie wird der Digitale Produktpass in Produktdetailseiten, Onlineshops und digitale Customer Journeys eingebunden?
Der DPP ist deshalb nicht ausschließlich ein Compliance-Thema. Er berührt auch Produktdatenmanagement, E-Commerce, UX und Customer Experience.
WELCHE ROLLE SPIELEN IMPORTEURE?
Auch Unternehmen, die Produkte aus Drittstaaten in die EU importieren, sollten ihre Rolle genau prüfen.
Ein Hersteller außerhalb der Europäischen Union bedeutet nicht automatisch, dass der DPP für das Produkt irrelevant ist. Entscheidend ist unter anderem, wer das betreffende Produkt auf dem EU-Markt in Verkehr bringt und welche Verpflichtungen die jeweilige Regulierung diesem Wirtschaftsakteur zuweist.
Für Importeure wird daher besonders wichtig:
- erforderliche Produktinformationen frühzeitig identifizieren
- Daten von Herstellern und Lieferanten verfügbar machen
- Datenqualität und Vollständigkeit prüfen
- Verantwortlichkeiten innerhalb der Lieferkette klären
- DPP-relevante Prozesse in die eigene Systemlandschaft integrieren
Gerade international verzweigte Lieferketten können dadurch zur Herausforderung werden.
WAS GILT FÜR EIGENMARKEN UND VERÄNDERTE PRODUKTE?
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn Unternehmen Produkte unter einer eigenen Marke vermarkten oder bestehende Produkte verändern.
Je nach konkreter Konstellation und geltendem Rechtsakt können sich dadurch Verantwortlichkeiten verändern oder zusätzliche Verpflichtungen ergeben.
Pauschale Aussagen wie „Jeder Händler mit einer Eigenmarke ist automatisch DPP-Hersteller“ greifen deshalb zu kurz. Unternehmen sollten ihre Marktrolle für die betroffenen Produktgruppen konkret prüfen.
WELCHE PRODUKTGRUPPEN SIND BETROFFEN?
Auch hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig:
Der Digitale Produktpass wird nicht für sämtliche Produkte gleichzeitig verpflichtend.
Die ESPR schafft einen übergeordneten Rahmen. Die konkreten Anforderungen – beispielsweise Datenumfang, Datenträger oder DPP-Ebene – werden für die jeweiligen Produktgruppen festgelegt.
Zu den Produktgruppen, die Unternehmen im Zusammenhang mit dem DPP besonders beobachten sollten, gehören beispielsweise:
- Textilien und Bekleidung
- Möbel
- Reifen
- Eisen und Stahl
- Aluminium
- Matratzen
Welche Anforderungen tatsächlich gelten und wann sie verbindlich werden, muss anhand der jeweiligen Rechtsakte und Produktgruppen geprüft werden.
Sonderfall Batteriepass:
konkrete Pflicht ab 2027
Für bestimmte Batterien gibt es bereits einen konkreten Termin.
Ab 18. Februar 2027 ist nach der EU-Batterieverordnung ein Batteriepass für bestimmte Batteriekategorien vorgesehen. Dazu gehören insbesondere Elektrofahrzeugbatterien, LMT-Batterien – etwa für E-Bikes und E-Scooter – sowie Industriebatterien mit einer Kapazität von mehr als 2 kWh.
Der Batteriepass ist damit einer der ersten konkreten Anwendungsfälle für digitale Produktpässe in der EU.
WANN WIRD DER DIGITALE PRODUKTPASS PFLICHT?
Eine pauschale Antwort wie „Der DPP wird 2027 für alle Unternehmen Pflicht“ ist nicht korrekt. Der Zeitplan hängt von der jeweiligen Produktgruppe und den dazugehörigen EU-Regelungen ab.
Für Unternehmen bedeutet das: Nicht auf einen vermeintlich einheitlichen Stichtag warten, sondern frühzeitig klären:
- Gehören unsere Produkte zu einer relevanten Produktgruppe?
- Welche regulatorischen Anforderungen gelten für uns?
- Welche Daten werden voraussichtlich benötigt?
- Wo liegen diese Daten heute?
- Sind unsere Systeme und Prozesse darauf vorbereitet?
Gerade die letzten beiden Fragen sind entscheidend, denn eine DPP-Umsetzung beginnt nicht erst beim QR-Code.
WARUM PRODUKTDATEN ZUR EIGENTLICHEN HERAUSFORDERUNG WERDEN
Ein Digitaler Produktpass kann nur so gut sein wie die zugrunde liegenden Daten. In der Praxis liegen relevante Informationen häufig verteilt:
ERP → PIM → DAM → Lieferantendaten → Excel → E-Commerce
Daraus entstehen typische Herausforderungen:
- fehlende Produktattribute
- unterschiedliche Datenstrukturen
- unvollständige Lieferantendaten
- manuelle Datenpflege
- Datensilos zwischen Abteilungen
- fehlende Schnittstellen
- unterschiedliche Verantwortlichkeiten für Daten
Sind unsere Produktdaten überhaupt DPP-ready?
Unternehmen, die frühzeitig Transparenz über ihre Datenlandschaft schaffen, können nicht nur regulatorische Anforderungen besser vorbereiten. Sie schaffen gleichzeitig die Grundlage für effizientere Prozesse, bessere Produktinformationen und neue digitale Services.
Wie aus Produktdaten, PIM, ERP und weiteren Systemen eine skalierbare DPP-Architektur entsteht, zeigen wir auf unserer Seite zum digitalen Produktpass für Unternehmen.
VOM REGULATORISCHEN PROJEKT ZUR DIGITALEN PRODUKTSTRATEGIE
Wer den Digitalen Produktpass ausschließlich als Pflicht betrachtet, verschenkt Potenzial. Eine strukturierte Produktdatenbasis kann gleichzeitig die Grundlage für neue digitale Anwendungen schaffen: vom besseren Produkterlebnis im E-Commerce über digitale Bedienungs- und Serviceangebote bis hin zu After-Sales, Ersatzteilen oder neuen Touchpoints direkt am physischen Produkt.
Damit wird aus:
Produktdaten → DPP → Customer Experience
Der DPP kann so zum Bindeglied zwischen Compliance, Produktdatenmanagement und digitalem Kundenerlebnis werden.
WIE KÖNNEN SICH UNTERNEHMEN JETZT VORBEREITEN?
Auch wenn für die eigene Produktgruppe noch nicht alle Details feststehen, können Unternehmen bereits heute wichtige Grundlagen schaffen.
Ein sinnvoller Einstieg besteht aus vier Schritten:
- Betroffenheit prüfen
Welche Produkte und Marktrollen könnten unter kommende DPP-Anforderungen fallen? - Produktdaten analysieren
Welche Daten sind bereits vorhanden – und welche Informationen fehlen? - Systemlandschaft bewerten
Wo liegen die Daten heute? PIM, ERP, DAM, E-Commerce, Lieferantensysteme oder Excel? - DPP-Architektur entwickeln
Wie müssen Datenmodell, Systeme und Schnittstellen zusammenspielen, damit DPP-Daten zukünftig automatisiert bereitgestellt werden können?
DPP-READINESS BEGINNT BEI DER DATENARCHITEKTUR
Der Digitale Produktpass steht und fällt mit einer sauberen Datenbasis.
NETFORMIC unterstützt Unternehmen dabei, bestehende Produktdaten und Systemlandschaften zu analysieren, DPP-relevante Datenmodelle zu entwickeln und PIM, ERP, E-Commerce und weitere Systeme miteinander zu verbinden.
Gemeinsam mit unseren Technologiepartnern Pimcore und Narravero schaffen wir die Grundlage für eine skalierbare DPP-Umsetzung – von strukturierten Produktdaten bis zum digitalen Kundenerlebnis.
FAQ: HÄUFIGE FRAGEN ZU BETROFFENHEIT UND PFLICHTEN
Ein PIM ist nicht pauschal gesetzlich vorgeschrieben. Bei umfangreichen Sortimenten und komplexen Produktdaten kann ein Product Information Management jedoch eine wichtige technische Grundlage bilden, um DPP-relevante Informationen zentral zu strukturieren, zu pflegen und automatisiert bereitzustellen.
Der konkrete Datenumfang hängt von der jeweiligen Produktgruppe und den geltenden Rechtsvorschriften ab. Je nach Produkt können beispielsweise Informationen zu Produktidentifikation, Materialien, Herkunft, Nachhaltigkeit, Nutzung, Reparatur oder Recycling relevant sein.
Nein. Es gibt keinen einheitlichen Stichtag für alle Produktgruppen. Für bestimmte Batteriekategorien wird der Batteriepass ab dem 18. Februar 2027 verpflichtend. Weitere DPP-Anforderungen werden schrittweise und produktgruppenspezifisch konkretisiert.
Importeure können ebenfalls zu den relevanten Wirtschaftsakteuren gehören. Besonders wichtig ist dies bei Produkten von Herstellern außerhalb der EU, die auf dem europäischen Markt angeboten werden.
Ja, Händler können DPP-relevante Pflichten haben. Welche Anforderungen konkret gelten, hängt von Produktgruppe und Marktrolle ab. Für Onlinehändler ist insbesondere die digitale Zugänglichkeit relevanter Produktinformationen ein wichtiges Thema.
Welche Wirtschaftsakteure für die Erstellung und Bereitstellung verantwortlich sind, hängt von der jeweiligen Produktgruppe, der Marktrolle und dem geltenden Rechtsakt ab. Eine zentrale Verantwortung liegt grundsätzlich bei dem Wirtschaftsakteur, der das betreffende Produkt auf dem EU-Markt in Verkehr bringt.